Tai Chi (auch Taiji geschrieben) ist ein zentraler philosophischer Begriff der chinesischen Kultur, vor allem im Daoismus. Erst seit dem 18. Jahrhundert wird Tai Chi auch als Name für eine Richtung der sogenannten inneren Kampfkünste verwendet. Tai Chi ist Kampfkunst, Gesundheitsübung und ein lebenslanger Weg des Lernens und der inneren Entwicklung.
Nein. Unsere Tai-Chi-Gruppe heisst ausdrücklich Anfängerinnen und Anfänger willkommen – du brauchst keinerlei Vorerfahrung. Wir beginnen mit einfachen Grundbewegungen und bauen Schritt für Schritt auf. Du wirst von Anfang an in eine Gruppe mit Anfängern und Fortgeschrittenen integriert und nach etwa drei Monaten kennst du alle grundlegenden Übungen. Danach kannst du diese Übungen stetig weiter vertiefen und deine Ausführung verfeinern.
Tai Chi ist prinzipiell für junge wie alte Menschen geeignet. Für Kinder ist es jedoch meist zu schwierig die hohe Konzentration ausreichend lange aufrecht zu erhalten und die Anweisungen zu befolgen. Für ältere Menschen wird es schwieriger die tiefgreifenden Veränderungen, die mit richtiger Tai-Chi-Praxis einhergehen zuzulassen und eine höhere Trainingsintensität wird nötig. Daher arbeiten wir bei Menschen ab 50 Jahre mit mindestens 3 Trainings pro Woche.
Besondere Kraft, Ausdauer oder Beweglichkeit sind nicht notwendig um mit Tai Chi zu beginnen. Der Körper wird sich im Laufe des Trainings an die Belastung anpassen und der Bewegungsradius vorallem von Hüfte und Schultern wird mit der Zeit grösser.
Qigong besteht meist aus einzelnen, in sich abgeschlossenen Übungen die auf Atmung, Entspannung und die Arbeit mit innerer Energie fokusiert sind. Im Tai Chi gibt es zusätzlich längere Bewegungsabfolgen («Formen»), bei denen man sich durch den Raum bewegt und Partnerübungen. Beide Systeme stammen aus dem gleichen kulturellen Umfeld und überschneiden sich stark.
Wir üben das System von Patrick Kelly, einem Schüler von Meister Huang Xingxian (Huang Sheng Shyan). Patrick legt, wie schon sein Lehrer, den klaren Schwerpunkt auf Tai Chi als Weg der inneren Entwicklung. Wir profitieren von Patricks über 50 Jahre währenden Beschäftigung mit dieser inneren Entwicklung und den Übungen, die diese unterstützen.
Mehr zu unserer Traditionslinie findest du hier.
Die Prinzipien des Tai Chi sind universell und an keine spezifische Domäne gebunden. Das Daodejing legt diese Prinzipien dar. Es nutzt Beispiele aus Staatsführung, Militätstrategie, Gesundheit usw. Der Nahkampf (hauptsächlich unbewaffnet, aber auch mit Schwert oder anderen Waffen) ist das Thema, an dem im Tai Chi Training die Tai Chi Prinzipien unterrichtet werden. Die Fähigkeit, bewusst, schnell und präzise zu entspannen ist notwendig, um die Tai Chi Prinzipien im Nahkampf einzusetzen.
In unserem Training legen wir den Fokus viel mehr auf die Prinzipien und allgemeine körperliche und geistige Fähigkeiten als auf die spezifische Anwendung zur Selbstverteidigung.
Am deutlichsten sind sicherlich die frühen, körperlichen Effekte des Trainings: Die Beine gewöhnen sich nach ein paar Wochen an die Belastung, die Balance wird besser, die Atmung ruhiger und tiefer und die Beweglichkeit verbessert sich. Anfänger beginnen schnell, ihren Körper genauer wahrzunehmen, lernen ihren Körper im Raum präzise zu positionieren und immer gezielter Muskeln anzuspannen und vor allem zu entspannen. Auch die Konzentrationsfähigkeit entwickelt sich recht schnell: Am Anfang setzt nach einer halben Stunde mentale Erschöpfung ein, die Gedanken beginnen abzuschweifen. Später wird auch über ein bis zwei Stunden ein hohes Mass an Konzentration möglich.
Langjähriges Training kann die Wahrnehmung von körperlichen Prozessen weiter vertiefen und auch die komplexen Wechselwirkungen zwischen körperlichen und emotionalen Prozessen können immer deutlicher spürbar werden. Dadurch entstehen mehr Handlungsmöglichkeiten in Situationen mit hohem emotionalen Druck.
Die intensive Auseinandersetzung mit dem tiefgreifenden und langfristigen Lernprozess des Tai Chi kann auch die Perspektive auf das Lernen im Allgemeinen ändern: Fehler werden anders bewertet, Zeithorizonte neu definiert und Überzeugungen immer wieder hinterfragt.
Das Tai Chi Training hat zunächst kurzfristige Wirkungen, die nach einigen Tagen abklingen. Um längerfristige Veränderungen zu produzieren, müssen neue Trainingsumpulse gesetzt werden, bevor die Wirkung des letzten Trainings abgeklungen ist.
Daher sind mindestens zwei Trainings pro Woche unter Anleitung in einer Gruppe nötig. Das Üben alleine zu Hause ist am Anfang kaum nützlich, kann aber nach ein paar Jahren durchaus (zusätzlich) hilfreich sein.
Viele Teilnehmenden berichten von einer beruhigenden, fokussierenden Wirkung im ersten Training oder sogar schon beim Zuschauen.
Für Menschen mit mehr Vorerfahrung sind evtl. die frühen Effekte des Trainings weniger neu. Sie bemerken eher nach einigen Monaten Dinge wie neue Körperwahrnehmungen, eine tiefere Meditation oder eine feinere Bewegungskontrolle.